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Geschichtliches

Auszüge (Festschrift 2007) aus der Geschichte des Posaunenchor und der Pfarrei Veitlahm

Aufgezeichnet von Pfr. Wilhelm Fabri um ca. 1915.

Im Oktober des Jahres 1890 gründete Pfarrer Thiermann  (Bild links) einen ev. Männer und Jünglingsverein, dem sofort  23 Mitglieder beitraten. Nach einem Jahr waren es 42. Zurzeit sind es 28 Mitglieder.

Der Verein hat satzungsgemäß die Aufgabe, Männer und Jünglinge der Gemeinde auf dem Grund des ev. Bekenntnisses in christlich, sittlichem Leben, patriotischer Gesinnung, edler Geselligkeit und geistiger Bildung zu fördern.   Der Verein veranstaltet zu diesem Zweck während der Winterzeit regelmäßige Zusammenkünfte alle 14 Tage und zwar am Dienstag abends von 7 bis 10 Uhr abwechselnd in dem Vereinszimmer des Veitlahmer oder Wernsteiner Wirtshauses.

An der Spitze des Vereins steht der jeweilige Ortspfarrer. 2. Vorstand soll womöglich der Ortskantor sein, der jetzt  25 Jahre dem Verein schon wertvolle Dienste geleistet hat. Kassier des Vereins ist der derzeitige Bürgermeister von  Veitlahm. Da der Monatsbeitrag auf nur 5 Pfennig festgesetzt ist, ist es jedem ermöglicht, Mitglied des Vereins zu werden.

Die Abende werden regelmäßig mit Gesang eröffnet und geschlossen. Jedes Mitglied hat das Liederbuch der ev. Arbeitervereine Bayerns in Händen, auch besitzt der Verein ein eigenes Harmonium, das in Wernstein steht, während  ihm in Veitlahm das Klavier des Gesangvereins zur Verfügung steht. In der Regel folgt auf das Eingangslied eine  Ansprache des Vorsitzenden, die auf das Kirchenjahr, auf kirchengeschichtliche, vaterländische Gedenktage, auf  Ereignisse in der Gemeinde u. a. Beziehung nimmt.

Den Mittelpunkt der Abende bildet dann ein Vortrag den auch fast immer der 1. Vorstand zu halten hat und in dem Fragen aus allerlei Gebieten schon  behandelt wurden. Mitunter werden auch Abschnitte aus Büchern belehrenden und unterhaltenden Inhalts vorgelesen. Es kommt danach oft zu ganz  lebhaften Besprechungen des Gehörten.  20 bis 40 Teilnehmer an diesen Abenden sind die Regel.  Der Verein ist es dann auch, der jährlich einige  Gemeindeabende veranstaltet. Da es der einzige Verein ist,der die ganze Gemeinde umfasst, sind seine  Veranstaltungen immer solche der Gemeinde.

An besonderen Gedenktagen, wie der Jahrhundertfeier der Leipziger Völkerschlacht ist es der ev.Männerverein der die Festfeiern veranstaltet. So ist er der Verein, der im Gemeindeleben die größte bedeutendste Rolle spielt. Seit einigen Jahren wurde am Abend des Konfirmationstages ein Gemeindeabend abgehalten, der sich recht eingebürgert hat und dersich eines außerordentlich zahlreichen Besuches erfreut. Auch im Herbst, in der Zeit des Reformationsfestes, wird meist ein solcher Gemeindeabend veranstaltet.

Außer Gesangsdarbietungen, Deklamationen, Vorträgen des Posaunenchores und Ansprachenwerden auch Lichtbildervorträge geboten, die bei Groß und Klein ganz besonders beliebt sind und die einganz vorzügliches Mittel zur Unterhaltung und Belehrung bieten.

Im Jahre „1907“ wurde dem Verein noch ein POSAUNENCHOR angeschlossen, der zuletzt 11 Mitglieder zählte. Diese hatten in den letzten Jahren ihre Übungsstunden in Kulmbach, wo selbst ein alter Musikmeister den jungen Leuten mit viel Liebe zur Sache und großem Eifer, nicht ohne Erfolg, Unterricht erteilte.

Die musikalischen Leistungen der jungen Leute sind freilich nicht sehr bedeutend, aber die Gemeinde ist unendlich stolz darauf und es werden oft, auch bei Todesfällen, dem Posaunenchor größere Geschenke zugewendet. Er übt auch eine besondere Anziehungskraft auf die jungen Leute aus und mancher wird dadurch für den Verein gewonnen, was weder für die betr. jungen Leute noch für den Verein ein Schaden ist.

Wenn am Weihnachtsabend oder am Silvesterabend der Posaunenchor vom Turm herab bläst, so lauscht die ganze Gemeinde und freut sich dieser Kunst und das findet seinen Ausdruck immer auch darin, dass in diesen Tagen wieder mehr Gaben für den Posaunenchor gegeben werden.

Vor den Festtagen, an denen der Posaunenchor im Gottesdienst bläst, finden noch besondere Übungsstunden im Schulzimmer statt, die der Kantor leitet.

Man mag über die Posaunenchöre denken wie man will, auf jeden Fall sind sie ein vortreffliches Mittel der Jugendpflege auf dem Lande, nur sollten sie nicht den Ehrgeiz haben, mit anderen Musikkapellen in der Öffentlichkeit in Wettbewerb treten zu wollen. Das liegt nicht in ihrer Aufgabe, dazu sind sie auch nicht im Stande.


Ergänzung der Posaunenchor-Geschichte nach den Erinnerungen und Erzähltem von Obmann Klaus Weiß: 

Um ca. 1920 leitete mein Großvater Johann Weiß den Posaunenchor, die meisten der damaligen Mitglieder spielten in dem weit über die Landkreisgrenze hinaus bekannten Musikverein Veitlahm. Nach J. Weiß leitete Pfr. Meyer und ab 1937 der Brückners-Hans den Chor.

Ab 1960 bis 1971 war der Ortsgeistliche Hans Söllner Dirigent vom Pos.-Chor. Nach Weggang von Pfr. Söllner dirigierte unsere Organistin Anna Köttler (später Kuis) den Chor. Seit 1992 hat Reiner Weiß die musikalische Leitung vom Posaunenchor Veitlahm.

Von 1969 bis 1984 war Günter Kreuschmer Posaunenchor-Obmann. Anschließend übernahm bis 1987 Herbert Passing diese Funktion. Nach Herbert übernahm ich, Klaus Weiß das Amt des Posaunenchor-Obmanns.

Unter der Leitung von H. Brückner und eine zeitlang auch bei Pfr. Söllner waren die wöchentlichen Proben in dem damaligen oberen Schulsaal. Nach Schließung der Dorfschule waren die Chorproben im Vereinszimmer der Gaststätte „Patersberg“. Die Gastwirte waren Schördling, Nölges, und nur ganz kurz Schneider. Seit der Umrenovierung des Schulhauses in das jetzige „Gemeindehaus“ finden die Proben wieder im oberen Saale statt.

1980 feierten wir mit dem Chor das 75-jährige Jubiläum.

Unter der Leitung von Anna Kuis begleitete unseren Chor beim Volksmusik-Blasen Ihr Vater, unser langjähriger Vereinswirt und „Original“ Jakob Köttler (Gaststätte Friedenstein), mit seinem Schlagzeug unter voller Hingabe. Nach seinem Tod 1993 wurden wir von Günter Kreuschmer mit der Teufelsgeige und ab 1996 mit Schlagzeug begleitet. Ab diesem Datum unterstützt uns Manfred Schicks mit einer kleinen Trommel, und mittlerweile sein Bruder Reinhard mit der Großen. Auch christliche Marschmusik wurde eingeübt, bei der wir immer wieder mit Becken begleitet werden. Die kompletten Rhythmusinstrumente wurden aus der Vereinskasse finanziert.

Zum 90-jährigen Jubiläum, welches 1997 groß gefeiert wurde, waren wir mit Dirigent, 7 Bläsern in der 1. Stimme, 7 Bläsern in der 2. Stimme, 9 Bläsern im Tenor, 3 Bläsern im Bass und 3 Schlagzeugern, insgesamt 30 Mann.

Ab 1990 pflegte der Veitlahmer Chor eine engere Freundschaft zu einem Chemnitzer Posaunenchor Bläserkreis, heute leider nur noch mit losem Kontakt.


Pfingsten 2007 - 100 Jahre Posaunenchor Veitlahm

Der Posaunenchor im Jubiläumsjahr 2007:


Hintere Reihe (v.l.n.r.): Obmann Klaus Weiß, Harald Putschky, Roland Wagner, Günter Draht, Peter Göppner, Gerhard Hain, Otto Friedlein, Hermann Hofmann, Jochen Friedlein, Herbert Passing, Reinhard Schicks, Manfred Schicks, Siegbert Unger, Hermann Pensel, Günter Kreuschmer, Heinz Müller, Pfr. Reinhold Skoda

Mittlere Reihe: Heidi Weiß, Monika Amschler, Gerdi Hacker, Kerstin Degelmann, Liselotte Weiß.

Vordere Reihe: Stefan Lindner, Benjamin Schuberth, Tobias Ramming, Maximilian Hacker, Steffen Skutnik, Peter Weiß, Chorleiter Reiner Weiß. 

Das Foto entstand Pfingstmontag 2006 am Patersberg mit Blick auf Teile Veitlahm´s und das Maintal